Wespe

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Erfahrungen mit Wespen

Können Wespen Menschen erkennen und ihnen wohlgesonnen sein?

Hat mir eine Wespe ein Geschenk gemacht?

Seit einigen Wochen füttere ich regelmäßig Wespen. Ich gebe ihnen sowohl Fleisch als auch etwas Süßes und habe dadurch immer wieder Gelegenheit, ihr Verhalten aus nächster Nähe zu beobachten.

Eines Tages geschah etwas, das mich besonders berührt hat.

Eine Wespe kam zu mir und setzte sich auf meinen Fuß. Zwischen ihren kräftigen Mandibeln trug sie ein kleines Stück Fleisch.

Dann geschah etwas Unerwartetes:

Sie legte das Fleischstück auf meinen Fuß.

Ich wartete darauf, dass sie es wieder aufnehmen und mitnehmen würde. Doch das tat sie nicht.

Die Wespe lief einige Male um das Fleisch herum, blieb noch kurz in meiner Nähe und flog anschließend davon.

Das Fleisch blieb liegen.

War es ein Geschenk?

Natürlich kann ich nicht wissen, was in diesem Moment in der Wespe vorging.

Vielleicht hatte das Fleischstück für sie keinen weiteren Nutzen. Vielleicht war sie durch etwas anderes abgelenkt oder wollte es einfach nicht mehr transportieren.

Aber nach mehreren Wochen regelmäßiger Fütterung bekam diese Begegnung für mich eine ganz andere Bedeutung.

Die Wespen kannten den Platz.

Sie kamen immer wieder.

Sie hatten gelernt, dass dort Nahrung zu finden war.

Und möglicherweise hatten sie auch gelernt, dass von mir keine unmittelbare Gefahr ausging.

Eine Beziehung zwischen Mensch und Wespe?

Ob Wespen einen einzelnen Menschen tatsächlich so erkennen können, wie wir einen anderen Menschen erkennen, ist wissenschaftlich nicht eindeutig geklärt.

Bekannt ist jedoch, dass Wespen erstaunliche Lernleistungen besitzen. Bei einigen Arten können Individuen unterschieden und Erfahrungen miteinander verknüpft werden.

Deshalb finde ich die Frage spannend:

Was lernt eine Wespe über einen Menschen, wenn sie ihm immer wieder begegnet und von ihm Nahrung erhält?

Vielleicht erkennt sie nicht mein Gesicht.

Vielleicht erkennt sie vielmehr einen Ort, einen Geruch, bestimmte Bewegungen oder eine bestimmte Situation.

Und vielleicht entsteht daraus eine Art Erwartung:

Hier gibt es Nahrung.

Hier ist es ruhig.

Hier passiert mir nichts.

Und dann lag das Fleisch da

Ob es tatsächlich ein Geschenk war, werde ich wahrscheinlich nie erfahren.

Aber ich kann meine Beobachtung festhalten:

Eine Wespe, die mich bereits aus regelmäßigen Begegnungen kannte, kam mit einem Stück Fleisch zu mir, setzte sich auf meinen Fuß, legte das Fleisch dort ab, lief einige Male darum herum – und flog anschließend ohne das Fleisch davon.

Für mich fühlte es sich in diesem Augenblick tatsächlich wie ein kleines Geschenk der Natur an.

Vielleicht war es nur Zufall.

Vielleicht steckt dahinter aber auch ein Verhalten, das wir Menschen noch nicht vollständig verstehen.

Und genau deshalb beobachte ich die Wespen weiter.

Nicht nur als lästige Insekten, sondern als faszinierende kleine Lebewesen mit einer eigenen Welt, eigenen Wahrnehmungen und erstaunlichen Fähigkeiten.

Vielleicht war es kein Geschenk.
Aber für mich war es ein besonderer Moment zwischen Mensch und Natur.

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